Die kurze Antwort
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt eine Fahrt, wenn sie im Zusammenhang mit einer Kassenleistung medizinisch zwingend notwendig ist und ärztlich verordnet wurde. Dabei kommt es auf drei Fragen an:
- Wohin geht es? Zu einer stationären oder zu einer ambulanten Behandlung?
- Womit muss gefahren werden? Reicht eine Krankenfahrt, oder ist ein Krankentransportwagen (KTW) nötig?
- Welche Unterlagen liegen vor? Verordnung und – je nach Fall – Genehmigung der Kasse.
Krankenfahrt oder Krankentransport?
Im Alltag werden die Begriffe gleich benutzt, rechtlich sind sie verschieden:
| Krankenfahrt | Krankentransport (KTW) | |
|---|---|---|
| Fahrzeug | Taxi, Mietwagen, Rollstuhl- oder Tragestuhlfahrzeug | Krankentransportwagen |
| Betreuung unterwegs | keine medizinisch-fachliche Betreuung | fachliche Betreuung, Lagerung, KTW-Ausstattung |
| Bei Avicenna | Rollstuhl, Tragestuhl | KTW sitzend oder liegend |
Auch der Infektionsschutz kann einen KTW begründen, wenn dadurch die Übertragung einer schweren ansteckenden Krankheit vermieden wird. Mehr unter Infektionstransport.
Wann die Kasse zahlt – die wichtigsten Fälle
Stationäre Behandlung – ohne Genehmigung
Fahrten zur stationären Aufnahme, zur Entlassung und zu vor- oder nachstationären Behandlungen können grundsätzlich ohne vorherige Genehmigung verordnet werden. Mehr unter Einweisung und Entlassung.
Ambulante Behandlung – nur in Ausnahmefällen
Zu ambulanten Terminen zahlt die Kasse nur in bestimmten Fällen:
- Pflegegrad 4 oder 5, oder Pflegegrad 3 mit dauerhaft eingeschränkter Mobilität
- Merkzeichen aG, Bl oder H im Schwerbehindertenausweis
- eine vergleichbare, dauerhafte Mobilitätseinschränkung, die die Kasse anerkennt
- hochfrequente Behandlungen wie Dialyse oder onkologische Chemo- und Strahlentherapie – in der Regel mit Genehmigung
Bei Pflegegrad und Merkzeichen gilt die Genehmigung für Krankenfahrten als erteilt – die Verordnung genügt.
KTW zur ambulanten Behandlung – immer mit Genehmigung
Wird für eine ambulante Behandlung ein KTW benötigt, muss die Krankenkasse die Fahrt grundsätzlich vorher genehmigen – auch bei Pflegegrad 4 oder 5.
Ambulante Operation – nur wenn sie einen Klinikaufenthalt ersetzt
Genehmigungsfrei ist die Fahrt nur, wenn die ambulante OP eine sonst nötige stationäre Behandlung ersetzt. Das gilt nicht automatisch für jeden ambulanten Eingriff. Mehr unter Krankentransport nach einer OP.
Muster 4 und Genehmigung
Die „Verordnung einer Krankenbeförderung“ stellt die Ärztin oder der Arzt auf dem Formular Muster 4 aus. Darauf stehen der Grund der Fahrt und das nötige Fahrzeug. Bei einem KTW muss die medizinische Notwendigkeit nachvollziehbar begründet sein.
Ist eine Genehmigung nötig, reichen Sie die Verordnung vor der ersten Fahrt bei Ihrer Krankenkasse ein. Bei Serienfahrten gilt die Genehmigung meist für den ganzen Behandlungszeitraum.
Tipp: Kümmern Sie sich um die Genehmigung, bevor der Termin ansteht. Fahrten ohne nötige Genehmigung muss die Kasse nicht bezahlen.
Zuzahlung und Befreiung
Gesetzlich Versicherte zahlen pro Fahrt 10 % der Kosten, mindestens 5 und höchstens 10 Euro. Sofern Sie nicht zuzahlungsbefreit sind, zahlen Sie die Zuzahlung an uns – den Rest rechnen wir direkt mit Ihrer Kasse ab.
Alle Zuzahlungen eines Jahres – für Fahrten, Medikamente, Therapien – sind begrenzt: auf 2 % der jährlichen Bruttoeinnahmen, bei chronisch Kranken auf 1 %. Ist die Grenze erreicht, stellt die Kasse auf Antrag eine Befreiung aus. Heben Sie dafür alle Quittungen auf.
Privat Versicherte erhalten eine Rechnung. Was erstattet wird, richtet sich nach dem Tarif.
Schnell-Check: Was brauche ich?
Drei Fragen zur ersten Orientierung
Der Schnell-Check ersetzt keine ärztliche Beurteilung und keine Entscheidung Ihrer Krankenkasse.
Häufige Fragen zur Kostenübernahme
Zahlt die Krankenkasse den Krankentransport zum Facharzt?
Nicht automatisch. Bei ambulanten Terminen zahlt die Kasse nur in Ausnahmefällen, etwa bei Pflegegrad 4 oder 5, den Merkzeichen aG, Bl oder H oder bei hochfrequenten Behandlungen. Ein KTW zu einer ambulanten Behandlung muss vorher genehmigt werden.
Reicht Pflegegrad 4 oder 5 für einen KTW?
Pflegegrad 4 oder 5 genügt für eine Krankenfahrt zur ambulanten Behandlung. Für einen KTW muss zusätzlich dessen medizinische Notwendigkeit vorliegen, und die Fahrt muss vorher genehmigt werden.
Was gilt bei Pflegegrad 3?
Bei Pflegegrad 3 muss zusätzlich eine dauerhafte Beeinträchtigung der Mobilität vorliegen. Welches Fahrzeug nötig ist, richtet sich dann nach dem medizinischen Bedarf.
Brauche ich bei einer Krankenhausaufnahme eine Genehmigung?
Nein. Medizinisch notwendige Fahrten zu einer stationären Behandlung können grundsätzlich ohne vorherige Genehmigung verordnet werden.
Wie hoch ist die Zuzahlung?
10 Prozent der Fahrtkosten, mindestens 5 und höchstens 10 Euro pro Fahrt. Wer die Belastungsgrenze erreicht hat und befreit ist, zahlt nichts.
Kann ich die Fahrt auch ohne Verordnung buchen?
Ja, als Selbstzahler. Den Preis nennen wir Ihnen vorab am Telefon.
Offizielle Quellen: G-BA: Krankentransport-Richtlinie · G-BA: Krankenbeförderung · KBV: Krankenbeförderung · KV Hamburg. Stand: September 2026. Maßgeblich sind im Einzelfall die ärztliche Verordnung und die Entscheidung Ihrer Krankenkasse.